Cannabis in Russland

Cannabis ist ein Streitthema, auch in Russland. Denn in dem Land, in dem im letzten Jahr von 100.000 Drogentoten und 2,5 Millionen Drogenabhängigen die Rede war, gehört neben Alkohol und Nikotin, Marihuana zu den beliebtesten Suchtmitteln.

Cannabis – Besitz, Konsum und Verkauf stehen in Russland unter Strafe

In Russland ist die Drogenaufsichtsbehörde mit der Gesetzesüberwachung zum Thema Marihuana betraut. Und diese sieht aktuell keine Legalisierung vor. Im Gegenteil. Der Besitz, der Anbau oder der Verkauf von Cannabis ist laut Gesetzgebung grundsätzlich mit einer Freiheitsstrafe zu ahnden. Allerdings erst, wenn die Menge sechs Gramm übersteigt. Darunter wird lediglich eine Geldstrafe von umgerechnet etwa 100 Euro fällig, alternativ dazu ein Gefängnisaufenthalt von 15 Tagen.

Die alltägliche Praxis ist jedoch eine ganz andere. Die russischen Gefängnisse sind gnadenlos überfüllt. Da scheint kein Platz für die Vollstreckung einer Strafe in Zusammenhang mit Cannabis zu sein. Deshalb wird in der Regel die Geldstrafe sofort von der Polizei eingetrieben und im Resultat das geltende Gesetz auch bei Besitz von Marihuana in nicht geringen Mengen nur selten vollumfänglich angewandt.

Kleine Lockerungen beim Anbau von Hanf

Grundsätzlich müsse laut russischer Drogenaufsichtsbehörde auch der Anbau von Hanf unter die geltenden Mengenbegrenzungen fallen. Allerdings lässt man hier Gnade vor Recht ergehen. Erst ab 20 Hanfpflanzen im heimischen Anbau wird eine handelstreibende Absicht unterstellt und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben bestraft.

Erster Shop darf ab Sommer 2011 Cannabis legal verkaufen

Eine Lockerung des ohnehin nur rudimentär angewandten Gesetzes bezüglich Cannabis ist in Russland nicht zu erwarten. Allerdings gab es erst kürzlich einen unerwarteten Vorstoß.

Wie lange Jahre medizinischer Erprobung gezeigt haben, kann der Wirkstoff THC gesundheitlich wünschenswerte Effekte mit sich bringen. So ist Cannabis ein bewährtes Schmerzmittel, kommt bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zum Einsatz, hat sich als Narkotikum etabliert, ist für die Behandlung von Epilepsie in der Anwendung und kommt seit neuestem auch für die Therapie von Alzheimer in Betracht.

Auch in Russland wurden diese positiven Eigenschaften des Hanf erkannt und sollten dem medizinischen Verwendungsbereich nicht verschlossen bleiben. Aus diesem Grund wird im Sommer 2011 in Russland ein erster Shop öffnen, in dem legal Marihuana verkauft werden darf. Selbstverständlich unter strenger medizinischer Indikation und nicht an Jugendliche oder Schwangere.

Der russische Weg bei Cannabis Abhängigkeit

Der Konsum von Marihuana induziert keine körperliche Abhängigkeit. Das verursachte Hochgefühl, die Entspannung, die verbesserte Kontaktfähigkeit und die intensivierte Reizwahrnehmung führen allerdings zu einer stetig steigenden Applikation. Das Resultat ist die psychische Sucht.

Auch in Russland ist dies ein weit verbreitetes Problem, dem die offizielle Drogenkontrollbehörde mit neuen Mitteln zu Leibe rückt. Da Substitution in Russland verboten ist, kommt nur eine psychotherapeutisch ausgerichtete Entwöhnung von Marihuana in Betracht. Um hierzu zu motivieren, dürfen die betroffenen Personen nun zwischen einem Gefängnisaufenthalt oder einer Entzugstherapie wählen. Ein Prinzip, das auch hierzulande im Modell „Therapie statt Strafe“ äußerst erfolgreich ist.

Erfahren Sie mehr über Russland bei Russland24.de

Popularity: 4% [?]