Cannabis als Heilkraut

Cannabis oder auch Hanf wird heute eigentlich nur als gefährliche Einstiegsdroge bezeichnet, die schnell zum Konsum härterer Drogen führen kann. Doch das Hanf, Cannabis, Marihuana oder wie die Pflanze noch bezeichnet wird, auch heilsame Wirkungen haben kann, ist den wenigsten bekannt. So wird Cannabis sativa, wie der wissenschaftliche Name lautet, schon seit Jahrhunderten in zahlreichen Kulturkreisen geschätzt.

Schon in einer Grabstätte Rumäniens, die aus der Steinzeit stammt, fanden sich Cannabis-Samen. In China, wo die Traditionelle Chinesische Medizin, die heute so stark nachgefragt wird, ihren Ursprung hat, wird Cannabis erstmals bereits im ersten Jahrhundert v. Chr. erwähnt, und zwar in direktem medizinischen Zusammenhang als Heilkraut.

Die Hanfpflanze gehört dabei zu den Pflanzen, die mit die meisten Inhaltsstoffe aufweisen. Über 40 Substanzen von ihnen sind pharmakologisch wertvoll. Als bekanntester Inhaltsstoff der Hanfpflanze gilt THC, also Tetrahydrocannabinol. Dieses Molekül wird mittlerweile synthetisch hergestellt und bei vielfältigen Erkrankungen als Reinsubstanz verschrieben. Das Medikament kann von Apothekern frisch angemischt werden, sofern ein Betäubungsmittelrezept vorgelegt wird.

Auswirkungen von Cannabis

Cannabis wird zumeist oral eingenommen, häufig als Joint, der geraucht wird. Dabei hat das Rauchen von Cannabis verschiedene Auswirkungen auf den Körper. Unter anderem erhöht sich die Pulsfrequenz, der Appetit wird angeregt, die vorhandenen inneren Spannungen lösen sich und die Konsumenten werden in einen euphorischen Zustand versetzt.

Diese Auswirkungen sind auf das enthaltene THC, aber auch andere Substanzen der Hanfpflanze zurückzuführen. Sie wirken vor allen Dingen im Gehirn, wo sie bestimmte Rezeptoren beeinflussen, die wiederum eng verbunden mit den Nervenzellen sind. Ursprünglich wurde Cannabis häufig als Mittel gegen Schmerzen eingesetzt. Mittlerweile haben zahlreiche Studien (neun von ihnen werden offiziell anerkannt) bewiesen, dass Cannabis tatsächlich als Schmerzmittel eingesetzt werden kann. Die Wirkung ist allerdings kaum stärker, als die, die herkömmliche Schmerzmittel hervorrufen.

Ausnahmen gelten allerdings bei Schmerzen, die auf normale Schmerzmittel kaum oder gar nicht ansprechen. Besonders betroffen sind die als zentrale Schmerzen bekannten Schmerzen. Sie entstehen bei Multipler Sklerose (MS) und bei neuropathischen Schmerzen, die entstehen, wenn Nerven geschädigt werden. Außerdem soll Cannabis und das darin enthaltene THC gute Wirkungen aufweisen, wenn Übelkeit nach einer Chemotherapie auftritt und diese durch andere Medikamente nicht ausreichend bekämpft werden kann. Ebenfalls haben einige Studien belegt, dass Cannabis durch die appetitanregende Wirkung den Gewichtsverlust bei Magersüchtigen, aber auch bei AIDS-Patienten verlangsamen kann.

Gefahren von Cannabis

Trotz all dieser möglichen Heilungschancen durch Cannabis, dürfen auch die Risiken, die die Hanfpflanze mit sich bringt, nicht außer Acht gelassen werden. Grundsätzlich macht Cannabis nicht körperlich abhängig. Durch längeren Konsum kann es sehr wohl jedoch zu einer psychischen Abhängigkeit kommen.

Ebenfalls führt der regelmäßige Konsum von Cannabis zu Störungen im Gedächtnis, zur Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit und der Koordination. Deshalb sollte nach dem Konsum der Hanfpflanze auf keinen Fall ein Auto gesteuert werden. Außerdem erhöht sich durch das Rauchen der Joints das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken

In selteneren Fällen kann es auch zur so genannten Cannabis Psychose kommen. Hierbei kommt es zu Halluzinationen und Angstzuständen, meist in Folge einer zu hohen Dosierung. Nach dem Absetzen des Cannabis klingen diese aber recht zügig wieder ab.

Als größte Gefahr des Cannabis-Konsums sehen Forscher und Wissenschaftler jedoch die Schizophrenie. Studien haben bereits gezeigt, dass es bei langfristigem Konsum zu einem erhöhten Risiko für den Ausbruch der Krankheit kommen kann. Hierbei konnte jedoch noch nicht geklärt werden, ob Cannabis die Schizophrenie auslöst oder lediglich die schlummernden Anlagen des Einzelnen für die Krankheit erweckt.

Alles in allem kann Cannabis also positive Wirkungen auf die Gesundheit mit sich bringen. Jedoch sollte die „Droge“ nur unter ärztlicher Aufsicht und in genauer Dosierung eingenommen werden. Schnell kann es andernfalls zur psychischen Abhängigkeit, im schlimmsten Fall sogar zur Schizophrenie kommen. Richtig eingesetzt, kann Cannabis aber bei vielfältigen Erkrankungen, bei Schmerzen und Übelkeit nach der Chemotherapie hilfreich sein.

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